Dekanat Bielefeld-Lippe

 
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Geschrieben von Michael Albrecht   
Samstag, 6. Februar 2010

Wort zum Sonntag, Westfalenblatt 7. Februar 2010

netz_web Ich hätte gerne den Gesichtsausdruck des Petrus gesehen, als Jesus ihm sagt: „Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze aus“ (Ev.Lk 5,1-11). Da fordert der Wanderprediger Jesus gerade ihn, den gestandenen Fischer, doch tatsächlich auf, tagsüber - bei Sonnenlicht – hinauszufahren und zu fischen !!

Vielleicht hat Petrus über die Naivität des Jesus auch nur still gelächelt, denn als erfahrener Fischer weiß er natürlich, daß die Fische nachts an die Oberfläche kommen und tagsüber wieder in eine Tiefe hinabsteigen, in der die Netze sie nicht erreichen können. Und überhaupt waren sie doch die ganze Nacht über draußen zum Fischen gewesen und hatten absolut nichts gefangen – sind jetzt gerade dabei ihre Netze zu waschen und für die nächste Nacht zu ordnen – ja, sie sind sehr müde und wollen nur noch nach Hause und schlafen. Daß sich dort so viele Menschen um Jesus drängeln, das nimmt der Petrus wahrscheinlich gar nicht so intensiv wahr, er ist viel zu beschäftigt mit seiner Arbeit - und mit der Enttäuschung über den Mißerfolg der Nacht.

Und ausgerechnet auf ihn geht Jesus zu und bittet: „Kannst du mich ein kleines Stück hinausfahren?“ Ich kann mir allerdings gut vorstellen, daß Petrus im Stillen denkt: warum fragt er jetzt ausgerechnet mich, hier sind doch noch andere Fischer mit ihren Booten. Aber irgendwie ist dieser Prediger Jesus für den Petrus schon ein interessanter Mensch, sonst würden ihm ja auch nicht so viele Menschen nachlaufen - und er willigt ein. Und dann lehrt und predigt Jesus vom Boot aus – und Petrus hört ihm zu. Und am Ende, nach der Predigt, sagt Jesus zu ihm: „ Fahr noch einmal hinaus und wirf die Netze aus“. Petrus ist ein Mensch, der sehr viel von seinem Beruf versteht, der wirklich einschlägige Berufserfahrung besitzt – und so lautet auch seine Antwort: „ Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“ und das heißt so viel wie: guter Mann, ich weiß, wann man am besten Fischen kann, wann der Fangerfolg am größten ist – in der Nacht, und nicht am Tag. Und wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet, wir haben alles versucht was möglich war und konnten nichts fangen. Aber die Chancen jetzt - am Tage - etwas zu fangen, die sind wirklich gleich null.

Du magst dich ja in den Heiligen Schriften auskennen und kannst auch gut predigen – aber vom Fischfang, da verstehst du wahrlich nichts. So oder ähnlich könnte man den ersten Teil seiner Antwort deuten, und darin schwingt die ganze Vergeblichkeit menschlichen Handelns mit, aber auch ein Hauch Resignation angesichts von gescheiterten Versuchen, das Leben positiv zu gestalten.
Und auch wir kennen doch nur zu gut diese Art von Antwort. Wir kennen das Scheitern unseres menschlichen Tuns, wissen, wie wenig wir Menschen diese Welt überhaupt verändern können, ja, wie wenig wir uns selber ändern können. Die Welt und die Menschen sind nun einmal so, und daran kann man wirklich nichts machen – das war schon immer so und wird auch so bleiben. Daran wird sich auch nichts ändern, auch wenn wir noch so schöne Worte in der Kirche hören. Wenn das aber unserer Denken ist, dann sind wir selber schon eingefangen im Netz genau jener Gedanken, die das Leben versperren – ja, verhindern: „Wir haben alles versucht, es war alles vergebens“. Diesen Teil der Antwort des Petrus, den können die meisten von uns mit ihren eigenen, oft negativen Lebenserfahrungen unterstreichen, darin können wir uns wiederfinden. Aber der Petrus bleibt nicht bei dieser Antwort stehen; er drückt zwar klar und deutlich seine Skepsis aus, die ja auch die ganze Resignation seines Lebens widerspiegelt: „es hat doch alles keinen Zweck“ – Aber „auf dein Wort hin“ will ich es trotzdem tun! „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“!

Das ist die entscheidenden Wende bei Petrus und es kann auch unsere eigene Wende sein. „Auf dein Wort hin“ das ist der Anfang der Befreiung aus dem engmaschigen Netz der eigenen Hilflosigkeit. Auch wenn ich nicht davon überzeugt bin, daß es Erfolg haben wird, wenn an sich alles dagegen spricht – will ich mich trotzdem darauf einlassen, gegen alle meine Zweifel und Ängste – aber mit Gottvertrauen.
Auf sein Wort hin will ich alle meine Bedenken einmal beiseite schieben, will mich ganz in seine Hand begeben und sehen, was dann auf mich zukommt. Und ich glaube ganz fest daran, daß mein Vertrauen nicht enttäuscht wird, daß auch ich von Jesu angenommen, und von ihm mit der Fülle des Lebens beschenkt werde.

Michael Albrecht
Diakon im Pastoralverbund Schildesche-Jöllenbeck

 
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