Dekanat Bielefeld-Lippe

 
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Sintflut Drucken E-Mail
Geschrieben von Josef Holtkotte   
Mittwoch, 24. Februar 2010

  Wort zum Sonntag, Westfalen-Blatt, 28. Februar 2010sintflut

„Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben. Und Gott sprach:  Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ 
Gen 9, 11-13

Im ersten Buch der heiligen Schrift, dem Buch Genesis, steht die bekannte Erzählung von der Sintflut. Kann uns diese Geschichte hilfreich sein für die Zeit vor Ostern, für die Fastenzeit? Die Fastenzeit nennen wir auch eine Zeit der Umkehr. Wir wollen uns wegwenden von allem, was dem Sinn des Lebens widerspricht. Wir wollen Streit und Lieblosigkeit aus unserem Leben heraushalten. Wir wollen umkehren, das heißt: wir wollen uns hinwenden zu Gott, - aber wir tun uns so schwer. Wir wissen oft nicht was „Umkehr“ wirklich meint. Was bedeutet „Änderung meines Lebens“? Was heißt „Hinwendung zu Gott“?

Schauen wir nun in das Umfeld der Geschichte aus dem Buch Genesis, einer Geschichte von Gott und Mensch. Gott hat die Welt und die Menschen erschaffen. Er hat sie gut erschaffen. Aber die Menschen  gehen schlecht miteinander um. Sie wenden sich von Gott ab. Nur Noah und seine Familie bleiben gut. Sie beteiligen sich nicht am Streit, an der Tötung von Menschen. So lässt Gott die Sintflut kommen, die Menschen sterben. Nur Noah und seine Familie können sich in die Arche retten mit den Tieren, die sie mitgenommen haben. Spätestens an dieser Stelle denken wir vielleicht: Was für eine seltsame Geschichte, was für ein grausamer Gott der hier handelt. – Oder schauen wir vielleicht aus einem falschen Blickwinkel heraus? - Was will diese Geschichte eigentlich erzählen? Wenn wir weiterlesen, offenbart sich der tiefe Sinn dieser Geschichte, denn Gott verspricht dem Noah nie mehr eine Flut zu schicken, die alles vernichtet und Gott macht mit Noah einen neuen Anfang. Er schließt mit ihm einen Bund. Er verspricht: ich werde immer zu dir halten, ich werde dir treu sein. Damit die Menschen immer wieder an diesen Bund Gottes mit den Menschen erinnert werden, schenkt Gott Noah ein Zeichen, an welchem er und seine Familie erkennen sollen, dass Gott im Bund mit den Menschen steht, dass er ein Bundes-Gott, ein Helfer-Gott, ein naher Gott ist. Gott schenkt den Regenbogen. „Das ist das Zeichen des Bundes zwischen mir und euch“, so sagt Gott. Ein Symbol also für die Nähe zwischen Gott und Mensch. Der Regenbogen ist ein Bild für den Bund Gottes mit uns Menschen. Wir sind Gott soviel wert, dass wir seine Bundesgenossen werden. Was heißt das für unser Leben in dieser Fastenzeit? Vielleicht, dass Menschen sich verbünden und in Not zueinander stehen; dass Gott treu bleibt, auch wenn wir uns von ihm abwenden; dass wir uns immer wieder auf den Weg zu den anderen Menschen machen sollen.

Dieses Bild vom Regenbogen steht über unserem Leben. In gewisser Hinsicht auch als Zeitansage. Im Anfang berührt er den Lebensbeginn des Menschen und am Ende schließt sich im Tod des Menschen der Bogen. Gott begleitet unser Leben und er schenkt uns nach dem Bund auf Erden in der Zeit den Bund im Himmel, in der Ewigkeit. Auf diesem Bogen von der Zeit in die Ewigkeit, da gestalten wir unser Leben. Da spüren wir Gottes Bund. Da spüren wir seine Zuneigung und da spüren wir gerade in unserer Zeit, dass wir herausgefordert sind durch viele Fragen und Ereignisse. Durch viel Orientierungslosigkeit, Oberflächlichkeit und Unwissenheit. Die Menschen unserer Zeit haben Sehnsucht nach Gott. Sie haben Sehnsucht nach dem Bund mit Gott.josefholtkotte Aber manche wissen es nicht. Wir dürfen jetzt in der Fastenzeit deutlich machen, was dieser Gott für uns getan hat. Das er uns und unser Leben ernst nimmt, dass er mit uns einen Weg geht, dass er uns Mut machen will für unsere Arbeit und dass er uns stärken will in unserem Glauben. Christen können das Licht des Regenbogens so sehen. Dann bleibt der Bund Gottes mit den Menschen, der im Regenbogen sein Symbol hat, nicht abstrakt, sondern er nimmt Gestalt an durch das was wir tun, durch das was wir umsetzen. Das ist nicht immer perfekt, nicht immer ausreichend. Es ist aber ein Zeichen in unserer Zeit.
Auf diesem Weg zu gehen, unter diesem Bund Gottes zu leben, dazu möchte ich uns ermutigen. Zu solcher Besinnung, zu solchem Nachdenken, zu solcher Umkehr lädt die Fastenzeit ein.

Josef Holtkotte
Stellvertretender Dechant, Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

 
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