Gedanken des Dechanten ...

Dechant Klaus Fussy wurde wieder gewählt.

... am Beginn einer neuen Amtszeit

Es ist zwar nicht grundsätzlich Neues – aber mir kommen in dieser aktuellen Kirchenzeit so manche Gedanken.
Was denke ich über die Zukunft der Kirche und des Glaubens und was brauchen wir dazu, im Dekanat, in den Pastoralen Räumen und persönlich? Was ist jetzt nach meiner Meinung angezeigt? Mein erster Blick geht auf das Zukunftsbild. Es geht um nichts Geringeres als um das Weiterleben des christlichen Glaubens in unseren Breitengraden, und damit geht es darum, dass er zukunftsfähig wird.
Im ersten Kapitel des Zukunftsbildes gibt es einen kurzen Satz – aber der hat es in sich:

„Die Rede von Chancen bzw. vom Aufbruch der Kirche wird jedoch nur dann eine positive Resonanz finden, wenn sich alle Verantwortlichen und Handelnden in der Kirche neu Gott und seiner Treue anvertrauen. Allein eine neue Besinnung auf das Evangelium von Jesus dem Christus schenkt die Kraft zum Aufbruch und den Blick für Wachstum und Neuanfang.“

So etwas inspiriert mich: dass wir diesen Prozess als Geistlichen Prozess sehen lernen.

In den letzten Jahren habe ich das für mich neu entdeckt: zuerst der Blick ins Evangelium, denn es zeigt uns, wohin wir gehen müssen und was heute unser Auftrag ist.

Das Zukunftsbild sagt:  „Mit Vertrauen (auf Gott) beginnt das eigene Agieren und Planen.“

Aber ich merke auch, wie schwierig und mühsam das sein kann, weil wir es nicht gewohnt sind und weil unsere Gemeinden das ebenso wenig eingeübt haben. Es erfordert einen neuen Blickwinkel und es ruft auch Widerstände hervor.

Aber Jesus sagt uns im Johannes-Evangelium: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Und schon der Psalm 127 formuliert: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, baut jeder umsonst, der daran baut.“
Ich merke allerding im Zusammenhang mit dem Zukunftsbild schon wieder, dass dieses an manchen Stellen einen Aktionismus auslöst.
Bei allem wichtigen Planen und Agieren: es ist Gottes Kirche, die wir mitbauen und mitgestalten.

In der „Süddeutschen Zeitung“ las ich vor kurzem ein großes Interview mit dem 80jährigen und inzwischen emeritierten Kardinal Lehmann. Neben vielem anderen wurde er auch gefragt, was jetzt dran sei. Seine Antwort: „Jetzt geht es doch um die Frage, was wir in einer Welt zu sagen haben, der Glaube und Religion zunehmend fremd werden.“
Und dann sagte er: „Dazu gehört das Innehalten, die Kontemplation, das Gebet …
Wir brauchen diese Unterbrechung, die Frage: Was machen wir da eigentlich? Wir brauchen also die Fähigkeit zur Umkehr: politisch und spirituell.“

Das ist mir aus dem Herzen gesprochen. Denn das gilt für unser Agieren in den Pastoralen Räumen und in unserem Dekanat.
Kontemplation?
Das haben die deutschen Bischöfe in einem m.E. immer noch bemerkenswerten Hirtenbrief im Jahr 2004 so ausgedrückt:
„Wir haben nicht nur zu evangelisieren – wir sind selbst gerufen, uns evangelisieren zu lassen. Seelsorge bedeutet nicht, dass der Betrieb auf Hochtouren läuft. Sie lebt von der Geistlichen Grundhaltung, von der Gegenwart Gottes mitten in unserem Leben.“

Kontemplation, Gebet – das heißt nicht, die Hände in den Schoß zu legen, ganz im Gegenteil: aus dem Evangelium werden wir die Kraft gewinnen, kreativ zu werden.
Das Vertrauen in Gott bewirkt auch das Vertrauen ineinander. Wir bauen doch miteinander an Gottes Haus. Darum ist gegenseitige Wertschätzung notwendig.
Wie kann das Dekanat aus meiner Sicht am besten dienen?
 
Wir wollen nicht dem Aktionismus das Wort reden, sondern dazu helfen, dass dieser Prozess verstanden werden kann als Geistlicher Prozess und dass wir zu den entsprechenden Grundhaltungen finden, die das Zukunftsbild vorschlägt.

Das Dekanat ist ein Unterstützungsdienst, damit das am Ort gelingt. Die Pastoralen Prozesse werden wir wertschätzend begleiten.

Das Zukunftsbild selbst versteht sich als Wegzeichen und Signal gemeinsamen Gehens. Nichts ist in Stein gemeißelt.  Roger Schutz sprach in diesem Zusammenhang schon in den 1960ern Jahren von der „Dynamik des Vorläufigen“.
Wir sind gemeinsam auf einem Pilgerweg.
Ich selbst bin mehr ein Mensch des Aufbruchs als ein Bewahrer, mehr ein Suchender als einer, der denkt, er habe schon alles gefunden, aber auch ein Hoffnungsfroher, der gern Neues entdeckt.
Deswegen freue ich mich, diesen Zukunftsweg als Dechant mitzugestalten.

Pfarrer Klaus Fussy, Dechant
Gemeinschaft St. Egidio Bielefeld

 

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