Wo ist nun Gott?

10749 dsc 2069 by michael bogedain pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 11. Juni 2016

Die Bilder der Unwetterereignisse der vergangenen Wochen sind für viele Menschen noch sehr präsent.

Überflutungen von Ortschaften, Blitzeinschläge bei Rockfestivals, Windhosen, die Gebäude zerstören, die Natur hat unbarmherzig zugeschlagen. Ganze Ortschaften sind zerstört und verwüstet. Es ist wohl mehr als nur ein Gefühl, dass sich Unwetterlagen und Unwetterereignisse in den letzten Jahren häufen und mehr werden. Der von Menschen verursachte Klimawandel scheint Wirklichkeit zu sein.
Nicht wenige fragen da auch nach Gott. Wo ist nun Gott? Wie kann Gott so etwas zulassen? Warum kann Gott solche Zerstörung und solche Unwetter zulassen? Wie kann man da noch ein einen „lieben Gott“ glauben? Und für manchen ist die Konsequenz klar: Es kann keinen lieben Gott geben. An einen solchen Gott kann ich nicht glauben.
Aber an welchen Gott würde ich denn gerne glauben? Welche Bilder habe ich von Gott, die mein Glauben oder Nichtglauben prägen? Viele Bilder von Gott sind Bilder aus der Kindheit, in der eben von einem lieben Gott gesprochen wurde. Es ist der Gott, der in Jesus Kranke heilt, Kinder umarmt, ein Freund an meiner Seite ist, und der für alle da ist. Doch im späteren Leben wird es mit diesem Kinderglauben eher schwierig, weil er die oben genannten drängenden Fragen nicht zu beantworten vermag.
Der Gott, den Jesus Christus offenbart hat, ist kein Gott, der ein Leben ohne Schwierigkeiten und Gefahren verspricht. Es ist der Gott, der die Menschen zur Freiheit gerufen und berufen hat. In der Freiheit dürfen Menschen ihr Leben und die Welt gestalten. Freiheit muss von Menschen immer wieder gelernt werden zu leben. Dabei nimmt Gott billigend in Kauf, dass sich Menschen in Freiheit auch falsch entscheiden, falsche Wege gehen und gegen den Schöpfungswillen Gottes handeln. Aber Gott ist auch ein Gott, der Auswege kennt in ausweglosen Situationen. Die Bibel und die Geschichte weiß an unterschiedlichen Stellen davon zu berichten, dass es nach Katastrophen, nach Umbrüchen und nach menschlichem Scheitern immer einen Neubeginn gegeben hat.
Wo ist nun Gott? Er ist nicht in den Katastrophen und Unglücken zu finden. Er ist im Neubeginn und im Aufbau. Er ist da, wenn Menschen im Vertrauen auf ihn nicht aufgeben, sondern neu ihr Leben in die Hand nehmen. Der Glaube an einen solchen Gott mag trösten in Zeiten des Unglücks. Der Glaube an diesen Gott macht Mut zu einem Neuanfang. Genau deshalb ist der Glaube an Gott wichtig. Er weist in die Zukunft.Nacke Norbert, Foto Westfalen Blatt

 

Norbert Nacke
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte-Nord-West

 

 


Bildquelle: Pfarrbriefservice © Michael Bogedain

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