„Alles muss raus“!

sale schuhe by peter weidemann pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 26. Mai 2016

„XXL-Shopping zu Super-Preisen“ und Rabatt-Aktionen mit Ermäßigungen bis zu 30, 50 oder gar 70 % werden uns durch große bunte Lettern in Schaufenstern und zwischen den Auslagen der Geschäfte verheißen. Gar nicht ungewöhnlich. Umso mehr aber, wenn mitten zwischen den farbenfrohen Plakaten ein großer Christus am Kreuz hängt. Als ich bei meinem letzten Südtirol-Urlaub durch die Geschäfte der Meraner Fußgängerzone bummelte, fiel  mir ein ca. 1,50-Meter großer Kruzifixus auf, der unübersehbar von der Wand im Treppenaufgang, welcher die beiden Etagen eines  Sportgeschäftes miteinander verbindet, auf das muntere Treiben zu blicken schien. „Svendita“ – Ausverkauf! Direkt neben dem Kreuz die Rabatt-Plakate, Christus zwischen Trubel und Rubel - eine Zumutung? Unerträglich?
Und weiter - zu meiner Jugendzeit feierten wir zuweilen große Jugendfeten im Gemeindehaus - mit 200 Leuten, die tanzten, bis das Wasser die Wände herunterlief. Im großen Pfarrsaal, mittig an der großen Hauptwand, hing immer ein gekreuzigter Christus. Beim Schmücken des Raumes für die große Party kam in der Runde der Verantwortlichen die Frage auf: Was machen wir mit dem Kreuz? Kann man es da hängen lassen – oder ist das „unzumutbar für den Herrn“ –  zwischen schwitzenden Tänzern und lauter Musik? „Das Kreuz bleibt – und zwar da, wo es hingehört, mittendrin!“, entschied unser Pastor – ohne Zögern.  Später hat niemand mehr gefragt, ob das Kreuz lieber abgehängt werden sollte. Manchmal haben wir es beim Schmücken des Saales für die Karnevalsparty mit einbezogen...
Die Frage nach der Zumutung müssen wir – glaube ich – gar nicht mehr stellen, denn die Antwort hat Gott mit dem Kreuz doch schon längst selber gegeben, als er seinem Sohn die Welt zugemutet hat.
Aber - woran merkt man denn, dass er mittendrin ist, dass er sich ein-mischt in unser Leben, in unsere Welt? Wo denn und wie?
Das heutige Fronleichnamsfest ist vermutlich einer der am meisten katholisch geprägten Festtage im Jahr. Dennoch wird die Frage nach Gott in unserer Welt gewiss jenseits aller Konfessionen gestellt.
Vielleicht sind Sie bei einer der Fronleichnamsprozessionen dabei oder Sie werden gar unfreiwillig am Weiterfahren gehindert, wenn Jesus in der Monstranz „unter dem Himmel“ durch Bielefeld getragen wird. Hoffentlich gelingt es uns aber, ihn nicht nur an diesem Tag aus unseren Kirchen hinaus zu tragen. Wenn wir mithelfen, dass er für alle erlebbar wird , die  „unter dem Himmel“ wohnen, leben, trauern und lachen, dann wird dieses Fest ein Zeichen für „Gott mitten unter uns“. Dann ist Jesus nicht nur zu Fronleichnam „draußen“ sichtbar, sondern „immer öfter“ - in uns als lebendigen „Zeige-Gefäßen“, Zeugen, die ihn in unsere Welt tragen.
Dass Sie hier und da Gott „sehen“ – das wünsche ich Ihnen.
Ihre Eva-Maria NolteEva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Peter Weidemann

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