Muttertag und „Mutter Kirche“

18356 szene2kopie by stefan hoffmann pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 7. Mai 2016

Keiner von uns hat sein Leben selbst gemacht. Wir alle haben unser Leben empfangen.

Im Leib unserer Mutter sind wir herangewachsen. Durch die Geburt aus unserer Mutter haben wir das Licht des Lebens erblickt.
Am Sonntag ist Muttertag. So unterschiedlich wie unsere Gefühle sind, die wir mit unserer Mutter verbinden, so unterschiedlich leben und deuten wir wohl auch unseren Glauben, nicht zuletzt den Glauben der Kirche. Das sieht bei jedem anders aus. Doch auch unseren Glauben haben wir nicht selbst gemacht. Wir haben ihn empfangen. Ohne die Menschen, die vor mir geglaubt haben und die derzeit mit mir glauben in der Gemeinschaft der Kirche, wäre ich nicht der, der ich bin und der ich sein möchte. Ich bin darum „Mutter Kirche“ trotz all ihrer Fehler und Schwächen, trotz all ihrer Runzeln und Falten sehr dankbar für den Reichtum ihrer Erfahrungen, für die Vielfalt ihrer Begabungen und besonders für die vielen Heiligen, die sie hervorgebracht hat. Auch Papst Franziskus bezeichnet die Kirche als Mutter. Sie soll eine sein, die sich grenzenlos allen Menschen zuwendet: „Die Kirche ohne Grenzen und Mutter aller verbreitet in der Welt die Kultur der Aufnahme und der Solidarität, der zufolge niemand als unnütz, als fehl am Platze oder als Auszusondernder betrachtet wird… Sie kommt den Menschen im Gebet wie in den Werken der Barmherzigkeit nahe.“  So wird mir „Mutter Kirche“ mehr und mehr ein Zeichen für etwas, das – glaube ich – in unserer Zeit oft vergessen wird: dass wir nämlich unsere eigene Glaubensentscheidung nur treffen konnten und unseren Glauben nur deswegen leben können, weil es viele Menschen vor uns gegeben hat, die uns den Glauben und die Kultur der Solidarität vorgelebt haben. Wir sind mit unserem Glauben also nicht nur für uns selber verantwortlich, sondern auch für die, die nach uns kommen und an die wir versuchen, unseren Glauben in Wort und Tat weiterzugeben. Das ist es, woran mich „Mutter Kirche“ immer wieder erinnert: dass es für die Zukunft der Christenheit lebenswichtig sein wird, den Glauben und die religiöse Erfahrung nicht aussterben zu lassen in unseren Familien, in unseren Gemeinden, wo auch immer wir in unserem Alltag als Christen leben.
 
Ihr Hans-Jürgen Kötemann,

Hans-Jürgen Kötemann

Pastor im Pastoralen Raum Bielefeld-Mitte-Nord-West

 



 

 

 

 Bildquelle: Pfarrbriefservice © Stefan Hoffmann

 

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