Unmögliches wagen

ampel vor kirche by peter weidemann pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 15. Oktober 2016

Von der Möglichkeit des Unmöglichen

Es gibt immer wieder Worte in der Bibel, die zu geflügelten Worten geworden sind. Sicherlich gehört auch das Wort vom Kamel und dem Nadelöhr dazu. Jesus spricht es im Markusevangelium: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gotte gelangt.“ Ein Kamel soll durch das kleine Loch am oberen Ende einer Stopfnadel passen? Das kann doch gar nicht gehen! Das ist unmöglich. Nie und nimmer wird das gehen können! Mancher Theologe möchte es etwas passender machen, indem er in seiner Deutung auf das kleine Tor, das es zur Zeit Jesu neben den großen Stadttoren gab, hinweist, welches Nadelöhr genannt wird, und durch das manchmal ein Kamel gehen muss. In jedem Fall bleibt es aber schwierig für das Kamel, ja, es bleibt unmöglich, hindurch zu kommen.
Im Grunde wollte Jesus auch genau das sagen. Wir Menschen stoßen immer wieder an Grenzen. Wir sehen uns in unseren Möglichkeiten begrenzt. Es gibt für uns Menschen das Unmögliche. Es ist unmöglich, die Konflikte in Syrien und im Nahen Osten zu lösen. Es ist unmöglich, eine Entschuldung der Länder der so genannten Dritten Welt vorzunehmen. Es ist unmöglich, unser Sozialsystem so umzubauen, dass es zu einer tragfähigen Grundlage für die Zukunft wird. Es ist unmöglich… Ist es wirklich unmöglich? Neben Jesu Wort vom Kamel und dem Nadelöhr steht noch ein anderes Wort: „Für Gott ist alles möglich.“ Gott macht Menschen Mut, das Unmögliche zu wagen. Das, was nach menschlichem Ermessen unmöglich ist, wird mit Gottes Hilfe möglich. Seine Zukunft ist da, wo Menschen sich auf das Unmögliche einlassen. Und warum sollten wir nicht auch Unmögliches einfach ausprobieren? Die Zukunft wird zeigen, dass mehr möglich ist, als wir Menschen es denken können.Nacke Norbert, Foto Westfalen Blatt

 

Norbert Nacke
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte-Nord-West

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Peter Weidemann

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