„Warten – Wachen“

p1090179 by walter depner pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 10. Dezember 2016

„Können Sie nicht warten?“- An der Supermarkt-Kasse hat sich jemand vorgedrängt.

Er erntet die Empörung der der dort ebenfalls Wartenden.
Warten fällt schwer: an der Ampel, in der U-Bahnstation, beim Zahnarzt. Wir sind nicht immer sofort „dran“.
Vertane Lebenszeit oder Chance, oder haben wir es immer zu eilig: wie auf der Flucht? Sind wir immer schon Schritte weiter als wir wirklich sind?
Auch jetzt können viele nicht abwarten: längst vor dem Advent beginnt für sie schon Weihnachten. Von der Adventszeit ist in der Öffentlichkeit kaum die Rede: Sie heißt „Vorweihnachtszeit“. Chöre geben „Weihnachtskonzerte“. Jubelnd erklingt: „O du fröhliche“.
Manchmal sogar in Kirchenkonzerten. „Können Sie nicht warten?“ Das gilt auch hier.
Der Advent aber ist eine Zeit des Wartens, nicht eine des „Überspringens“. In der Liturgie hören wir Texte des „Noch-Nicht“, aber des Kommens. Es sind große Verheißungen einer Zukunft.  „Am Ende der Tage wird es geschehen“. Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest als höchster der Berge. Er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker. (Jes 2,2).
Ein Reis wird aus dem Stumpf Isais sprossen, ein Schößling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen …
An jenem Tag wird es geschehen: Der Wurzelspross aus Isai steht da als Signal für die Völker: Nationen suchen ihn auf, sein Wohnsitz ist herrlich“. (Jes 11; 1,10)
Es sind Zukunfts- und Hoffnungstexte – hineingesprochen in eine trostlose Gegenwart.
Das Volk Israel war am Ende: verschleppt nach Babylon, bedroht von Ausrottung, der Tempel in Jerusalem zerstört. Es ging ihm, wie manchen Völkern heute: wie den Menschen von Aleppo und von Mossul. Sie fliehen zu uns, denn zuhause gibt es keine Hoffnung mehr.
So war Israel damals, als Jesaja neu ansetzte und die Hoffnung neu einpflanzte.
Das Volk begann wieder Gott zu trauen – bis es eines Tages dann tatsächlich Zion wieder betreten konnte. „Wir haben ein Ziel, das uns voraus liegt, wir spielen uns ein auf deine Zukunft, sagen und singen: Alles ist gut, was du gemacht hast.
Mühselig, langsam, in Hoffnung und Furcht gestalten wir deine Verheißung aus, bauen wir an der Stadt des Friedens, an der neuen Schöpfung, wo du uns Licht bist, alles in allem“. So dichtete Huub Oosterhuis.
Hoffnungstexte brechen die Lähmung und lassen neu aufstehen, aber auch die Dunkelheiten aushalten. Das ist Advent.
Aber noch mehr:
Der Advent ist eine Zeit des Wachens. Sein Ruf heißt: „Seid wachsam“.
„Bedenkt doch die Zeit“, schreibt Paulus an die Römer. „Die Stunde ist gekommen, vom Schlaf aufzustehen. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.“
In dieser Zeit können wir neu entdecken, dass wir Christen wache Menschen sind, die die Zeichen der Zeit erkennen und danach handeln.
Der Erzbischof hat uns aufgerufen die Frage zu beantworten: „Wozu bist du da, Kirche?“
Wozu sind wir Christen da? Um diese Frage zu beantworten, braucht es diese Wachheit auf die „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“. So hat es das 2. Vatikanische Konzil benannt.
Die Wachheit ergänzt das Warten und bewahrt es vor zu langem Zu-Warten.
Dann können wir auf das Fest zugehen, das die alten Verheißungen erfüllt: Gott wird in unserer Mitte sein. „Sein Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. (Joh 1,14).

 

Klaus Fussy, Dechant

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Walter Depner

 

 

Pfarrer Klaus Fussy, Dechant
Gemeinschaft St. Egidio Bielefeld

 

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