"Wenn nicht jetzt, wann dann - die Gelegenheit beim Schopf packen"

20141008091006 by christian lueck pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 21. Januar 2017

Als ich heute meinen Einkaufswagen durch den Supermarkt steuerte, fiel mein Blick im Vorbeigehen auf eine der Spruchkarten im Postkartenständer „DU MUSST DEIN ÄNDERN LEBEN!“

Hä?  - Wie jetzt? Nochmal... heißt es nicht eigentlich umgekehrt „... DEIN LEBEN ÄNDERN!“? Ja, schon... aber so ist’s wohl gedacht  - dass man stolpert und nochmal liest - „...dein Ändern leben“.
Das neue Jahr ist noch recht frisch, aber dennoch sind die guten Vorsätze der Neujahrsnacht (In 2017 will ich dieses und jenes verändern – jetzt packe ich’s an!) größtenteils schon wieder verworfen, weil es ja viel bequemer ist wie es immer war – und eigentlich ging es ja bisher auch ganz gut so. Ich kenne jemanden, der schon seit Jahren seine berufliche Veränderung ankündigt, denn die Arbeitsbedingungen sind belastend – für seine Familie, die Gesundheit... Als ich ihn mal wieder danach fragte, meinte er: „Das ist ja nicht so einfach, in meinem Alter noch was Neues anzufangen.“ – Sicher - aber eigentlich hatte er es auch gar nicht versucht. Denn irgendwie ging es ja bisher auch so. (Die Schwäche vieler „Leben-verändern-Woller“ schon erahnend empfiehlt eine Restaurantkette übrigens: „Statt guter Vorsätze – Lass dir was Gutes vorsetzen“ – auch eine Lösung – oder auch nicht?!)
Sinngemäß gar nicht so ganz anders als auf der Spruchkarte, aber ohne Stolperfalle und mit vertrautem Wortlaut hören wir von Jesus am Sonntag im Evangelium „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“  (Mt 4,17) Sicher, Jesus meint: Nehmt eine „Kurskkorrektur“ vor – vielleicht auch mal so: Kehrt um: das von unten nach oben, von rechts nach links, von innen nach außen - und um-gekehrt! Stellt das bisher Übliche auf den Kopf! Denn genau das macht Jesus selber und er legt es uns ans Herz: „Kehrt um!“ Dann zählt eben nicht mehr: Wer viel hat, gilt viel; wer sich ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzt, gewinnt und wer viel leistet, wird von Gott mit dem Himmelreich belohnt. Nein! Kehrt um und kehrt das Bisherige um: Teilt mit denen, die nichts haben, unterstützt die, die alleine nicht zurande kommen; seid barmherzig mit denen, die es sich nicht verdient haben;
Und wann? Jetzt! „Wenn nicht jetzt, wann dann...“ singt es die Kölner Gruppe „Höhner“. Jetzt musst du „die Gelegenheit beim Schopf packen“. (Übrigens: Vorne üppige Haarpracht mit dicker Strähne, am Hinterkopf kahlgeschoren – das ist nicht etwa der aktuelle Frisurentrend in einem angesagten  Hairstyling-Magazin, sondern so wurde „Kairós“ -  in der griechischen Mythologie der Gott des „rechten Augenblicks“ -  in der Antike dargestellt. Um den Kairós (auch verstanden als der passende Augenblick, das Richtige zu tun) zu erwischen, muss man ihn, der flugs vorüber ist, gleich vorne an den Haaren packen, denn später bekommt man ihn (am kahlen Hinterkopf) nicht mehr zu fassen. Daher gilt es, im passenden Moment, „die Gelegenheit beim Schopf zu packen“.) Der passende Augenblick umzukehren ist jetzt, „denn das Himmelreich ist nah“, sagt Jesus (und umso mehr spürbar wird es, wenn wir „das Ändern leben“). Wenn das nicht Grund genug ist...
Packen wir’s an!

 

Ihre Eva-Maria NolteEva Maria Nolte 2017

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Christian Lück, die-sehleute.de

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