Fronleichnam – reformatorische Botschaft auf katholisch?

bakery 1583201 by piro4d cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 15. Juni 2017

Viel christliche Gemeinsamkeit im 500. Reformationsjahr. Und dann die ökumenische Nagelprobe: Fronleichnam.

Nichts ist unreformatorischer als dieser Donnerstag. Aber Evangelische sind inzwischen sehr belastbar: Posaunenchöre blasen ohne klemmende Ventile zu den Prozessionen die Lieder, die vom Brot singen, das in Christi Leib verwandelt ist. Dass das auch im Reformationsjahr nicht als Provokation missverstanden wird, ist auf seine Weise eine schöne Ergänzung. - Das alte, oft verballhornte Wort „Fronleichnam“ bedeutet „Herrenleib“. Schon Anfang des 13. Jahrhunderts wurde dieses Fest eingeführt. Ein Zugang erschließt sich, wenn man diesen Donnerstag mit demjenigen neun Wochen früher in Zusammenhang bringt: Am Gründonnerstag feiert Jesus mit den Jüngern in dichtester Atmosphäre ein besonderes Mahl. Aus der jüdischen Pessachfeier greift er zwei Elemente heraus: das ungesäuerte Brot, Grundnahrungsmittel der einfachen Menschen, und Wein, das Getränk der Festlichkeit und des Fröhlichseins. Jesus deutet seine Existenz hinein: „Das ist mein Leib.“, heißt: Ihr könnt aus mir leben, aus dem, was ich verkündigt und mit euch gelebt habe. Lasst euch und alles los und gebt denen, die leiblich und seelisch hungern! Der (rote) Wein („Das ist mein Blut“) steht für die Erinnerung an Gottes Bundesschluss mit Abraham und dem künftigen Volk. Zugleich klingt die freudige Vollendung im Reich Gottes an, wenn kein Tod mehr ist und Gott selbst alle Tränen abwischen wird (Offb 21,4). Gründonnerstag (grün = greinen, sich grämen) kippt die Stimmung; die festliche Erinnerung an den Bund zwischen Gott und Volk schwärzt sich zur angstvollen Nacht des Verrats. – Doch diese Verfärbung konnte so nicht stehenbleiben. Die ungeheuerliche Gottespräsenz in Brot und Wein musste noch einmal aufgegriffen werden. Daraus erwuchs die Feier von Fronleichnam – mit den Stilmitteln des Kontrastes. Anstelle schwarzer Trauer kaum zu überbietender Glanz; der Wochenalltag angehalten mit einem Feiertag; ein Stück Alltagsbrot wird zum Herrenleib – nicht nur gegessen, sondern noch gezeigt in der goldenen Monstranz unter königlichem Baldachin; die Alltagsumgebung geschmückt mit Blumenteppichen; die Alltagswege mit festlichen Gesängen abgeschritten in festlichen Gewändern. – Könnten die evangelischen Posaunen mit den katholischen Liedern an Fronleichnam nicht doch gut reformatorisch verstanden werden?! Seht und glaubt: Dies ist nicht Menschenwerk; hic solus Christus - sola gratia: Hier ist allein Christus – allein aus Gnade!

Einen schönen Feiertag wünscht           
Pfarrer Bernhard Brackhane

 

 Pfarrer Bernhard Brackhane, Foto Westfalen Blatt

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice © PIRO4D / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

 

 

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

 

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