„Auf Leben und Tod“

was bleibt by peter weidemann pfarrbriefservice 0Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 14. April 2017

Dass wir alle sterben müssen, weiß jeder. Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen. Eine unangenehme Wahrheit?

Einmal ist es vorbei – früher oder später.
Der Tod irritiert und verstört zutiefst. Er lässt Fragen zurück: „Was ist danach?“ „Kommt überhaupt noch etwas?“ „Ist dann unweigerlich Schluss und Aus – Staub und Asche?“ Deshalb verdrängen viele den Tod.
Blaise Pascal sagte: „Weil die Menschen gegen den Tod kein Heilmittel finden konnten, sind sie, um glücklich zu werden, darauf verfallen, nicht mehr daran zu denken.“
Dann heißt es: „Arbeiten und nicht verzweifeln“, „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Und was dabei herauskommt ist oft genug: „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und man ist vollauf damit beschäftigt, am eigenen Podest zu basteln und notfalls die Ellenbogen zu gebrauchen. Man geht auf „Nummer sicher“ und nimmt sich vom Leben, was zu kriegen ist.
Eine andere Variation: „Gesundheit ist das höchste Gut“. Nichts dagegen, gesund zu leben! Aber das höchste Gut? Davon alles erwarten – vielleicht sogar so etwas wie Unsterblichkeit?
Man kann so gesund leben wie man will. Das Ergebnis ist zum Schluss wie bei allen anderen: Alle sterben! Den Tod kann man verdrängen so lange wie man will: Er bleibt eine Macht – und möglicherweise wird der, der ihn verdrängt, umso mehr von ihm beherrscht.
Es steht trotzdem immer alles auf Leben und Tod. Das ist unsere Situation! Wir feiern Ostern. Auch das ist nicht wie der jetzt aufblühende Frühling, der übrigens auch irgendwann wieder verwelkt. Es geht auch Ostern um den Tod. Es ist kein harmloses Fest. Der Spannungsbogen geht vom Karfreitag bis zum Ostermorgen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Jesus ist weder am Tod vorbeigegangen noch hat er sich heimlich davongeschlichen. Er ist mitten hindurch gegangen. Die Ostersequenz besingt, dass es ein Duell war – auf Leben und Tod. Aber es war wie bei David und Goliath: die Großmacht Tod musste aufgeben. Die Sequenz singt weiter: „Der Anführer des Lebens: tot- und er lebt“. Paulus wird später schreiben: „Verschlungen ist der Tod vom Sieg? Tod, wo ist dein Sieg?“ (1 Kor 15,45)
Was heißt das? Auferstehung ist kein Weiterleben als Lebensverlängerung. Es bleibt dabei: Alle müssen sterben. Aber wir wissen: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Es geht vom Tod zum Leben. Das ist unsere Berufung. Das macht uns frei. Wir brauchen deshalb den Tod nicht mehr zu verdrängen und für uns selbst das Beste aus dem „bisschen Leben“ herauszuholen. So können wir „anders leben“, solidarisch und geschwisterlich. Denn wir haben nichts zu befürchten, denn wir sind vom Tod zum Leben übergegangen (vgl. 1 Joh 3,14).

 

Klaus Fussy, Dechant

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Peter Weidemann

 

 

Pfarrer Klaus Fussy, Dechant
Gemeinschaft St. Egidio Bielefeld

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Mehr Informationen