Volkstrauertag 18.11.2017

bird 1853209 by karein93 cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 18. November 2017

Bei Seelsorgebesuchen älterer Menschen, die noch Kriegszeugen waren, ist das Thema Krieg noch
außerordentlich präsent. Oft beginnen sie nach kurzer Zeit zu erzählen:

Zerstörung, Ausgebombt-Sein, Vertreibung, der Verlust enger Angehöriger.
Wie viel Unverarbeitetes bis auf den heutigen Tag ist da noch im Hintergrund?
Niemand hat je Kriege gewonnen, auch wenn einige sich „Sieger“ nennen. Kriege lassen nur Verlierer
zurück und es gibt überall Trümmer: zerstörte Städte und kaputte Seelen.
„Nie wieder Krieg“, das war vielerorts der Ruf nach den Zerstörungen der Kriege des 20.
Jahrhunderts. Ist der Appell je wahr geworden?
Wir alle wissen, wie es in der heutigen Welt darum bestellt ist.
Jahrzehnte lebten wir im sogenannten kalten Krieg – waffenstarrende Systeme standen sich
gegenüber – und nur der kleinste Zündfunken hätte die größte Katastrophe erneut auslösen können.
Wir schöpften Hoffnung, als die totalitären Systeme des Ostens sich auflösten und der Eiserne
Vorhang verschwunden war. Damit verschwanden jedoch nicht die Kriege der Menschlichkeit.
Bedrohliche Kriegszenarien erleben wir weiterhin. Da braucht man nur nach Syrien, Irak, Afghanistan,
Jemen zu sehen. Kriege in aller Welt gehen auch uns an. Die Geschichte scheint keine gute Lehrerin
zu sein.
Wie damit umgehen?
Eine Reaktion ist die des resignierten Wegsehens, uns überschwemmen ja auch die Fernsehbilder
ständiger Zerstörung, Papst Franziskus beklagt jedoch immer wieder die Gleichgültigkeit.
Solche Gedenktage wie der Volkstrauertag haben deshalb auch heute eine sehr wichtige Funktion.
Trauer ist ein Ausdruck dafür, dass der Schrecken der Kriege uns nicht gleichgültig wird.
Trauer ist ein produktiver Prozess. Ein Trauergedenktag ist eine Unterbrechung des alltäglichen
Tagesgeschäftes, der Routine, der Gewöhnung.
Auch Religion ist so.
Der katholische Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz hat formuliert: „Die kürzeste Definition
von Religion ist Unterbrechung.“
Der christliche Glaube unterbricht die Herrschaft des Todes über Mensch und Welt. Das ist seine
tiefste Wahrheit und sein Kern. Der Tod und die Todesstrukturen zwischen Menschen haben keine
Zukunft und behalten auf Dauer nicht die Oberhand, sondern durch Jesu Tod und Auferstehung hat
das Leben über den Tod gesiegt. Hier gibt es zwar auch einen Sieg, aber die Siegerin ist die Liebe, die
die Spirale der Gewalt unter- und durchbricht und zu einer anderen nämlich gewaltfreien
Lebensweise einlädt. So wird der christliche Glaube zur Unterbrechung des Immer- Wieder-Selben:
Gewalt und Gegengewalt, Schlag und Gegenschlag.
Von hier kommt neue Hoffnung, dass es anders werden kann. Friede ist ein Geschenk Gottes und
wird uns im Kleinen und Großen zur Aufgabe.
Wir sind Empfänger, aber auch Geber des Friedens.
Der große russische Heilige Serafim von Sarov sagt: „Erringe des inneren Frieden und Tausende um
dich werden zum Frieden kommen.“
Der Friede ist eine große und anspruchsvolle Aufgabe, doch sie zu lösen ist möglich.
Im Buch Numeri des Alten Testamentes ist uns der aaronitische Segen überliefert:
„Der Herr segne und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.“
Möge dadurch Frieden einziehen in unsere Herzen und die Welt.

Klaus Fussy, Dechant

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Karein93 / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

 

 

Pfarrer Klaus Fussy, Dechant
Gemeinschaft St. Egidio Bielefeld

 

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