Hilfsbereitschaft

50 1 maria himmelfahert lk 1 39 56 15 august by martin manigatterer pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 1. Juli 2017

Wann haben Sie zuletzt einen Besuch gemacht? Vermutlich müssen einige Leserinnen und Leser dafür schon recht weit zurückdenken.

Noch schwieriger wird es, wenn nach einem Besuch gefragt würde, für den ich gar nicht eingeladen worden war. Denn es gibt ja auch Besuche, wo ich einfach einmal wieder einen Menschen zu Hause aufsuchen möchte, um den Kontakt aufzufrischen, vielleicht aber auch um nachzufragen, ob wirklich alles in Ordnung ist und eventuell sogar Hilfe anzubieten. Solche Besuche werden vermutlich heute leider seltener sein.

Eine Stärke des christlichen Glaubens der Menschen in früheren Jahrhunderte ist die handfeste Umsetzung der inneren Überzeugungen. Am 2. Juli begeht die Kirche zum Beispiel seit dem Mittelalter ein Fest, das nichts anderes als einen Besuch zum Inhalt hat. Maria hatte nämlich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift von der Schwangerschaft ihrer Verwandten Elisabeth erfahren. Die sollte inzwischen sogar schon im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft sein, also vermutlich einige Beschwerden als Hochschwangere zu bewältigen haben.

Daraufhin erzählt die Bibel (Lk 1,39ff), dass Maria sie einfach – trotz eigener früher Schwangerschaft mit evtl. Übelkeiten und anderen Veränderungen – über eine recht große Entfernung besucht habe, um ihr die letzten Monate vor der Geburt des Kindes zur Hand zu gehen. Das Kind, das dann glücklich zur Welt kam, nannte man später Johannes, mit dem Beinamen »der Täufer«.

Ein trautes Heim ist nicht immer nur ein Ort ohne Probleme, ohne Alltagsherausforderungen, ohne Hilfebedarf. Ein trautes Heim ist auch ein Ort mit Sorgen, mit Belastungen, mit Einsamkeiten. Und wenn dann jemand kommt in mein sonst so gesichertes Heim und einmal nachfragt, wie es eigentlich so steht und ob ich Hilfe brauche, kann das nicht nur entlastend sein. Es ist auch die handfeste Umsetzung christlicher Nächstenliebe.

Solche handfesten Glaubensanstöße liebten Menschen früherer Jahrhunderte Gott sei Dank sehr. Der Orden der Franziskaner hat schon kurz nach dem Tod des Franziskus im 13. Jahrhundert ein Fest des Hausbesuchs von Maria bei Elisabeth angestoßen. Da kann man dann mal in der Heiligen Schrift nachschauen, wie konkrete Hilfsbereitschaft gelebt wird. Selbstverständlich ist es auch ein Anstoß für mich als Christen, mich zu fragen, wer denn meinen Besuch gerade mal brauchen könnte... Und selbst wenn ich dafür keine drei Monate zur Verfügung habe, eine halbe Stunde oder eine Stunde sollte aber immer drin sein.

Maria kamen bei dieser Gelegenheit Gedanken über Gott, die heute als eines der berühmtesten Lieder über die sozialrevolutionäre Kraft von Glauben gelten: das Magnifikat (Lk 1,46-55).

 

 

markusjacobs

 

 

 

 

DDr. Markus Jacobs
Pfarrer im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Nord-West

Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de© Martin Manigatterer

 

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