Starke junge Frauen mit klarem Ziel

stone 538794 by lillico schmidt cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 11. Mai 2019
Über Greta Thunberg wird zur Zeit nichts Spektakuläres mehr berichtet; allerdings sind die auf sie zurückgehenden „Fridays for future“, die freitäglichen Proteste tausender junger Leute für ihren Anspruch auf eine Natur und Umwelt erhaltende Zukunft, nach wie vor aktuell.

Wer sich nicht mit der Frage nach der Schulpflicht der Jugendlichen beschäftigt und mit der Tatsache, dass Gretas Berühmtheit auch dazu führt, dass sie bei den Flügen durch Westeuropa selbst nicht unwesentlich zum Verbrauch fossiler Rohstoffe beiträgt, ist meist beeindruckt von der beträchtlichen Wirkung, die der Mut und die Unerschrockenheit der jungen Schwedin entfalten. Wahrscheinlich ist es zu kühn (ob Sie gleich lachen, liebe Leserin, lieber Leser?), aber mir kam eine andere junge Frau in den Sinn, die, nur drei Jahre älter als Greta, unter ganz anderen Umständen und in völlig anderen Zusammenhängen Geschichte geschrieben hat - im Mai vor 590 Jahren: Jeanne D’Arc, Johanna von Orléans. Im „Hundertjährigen Krieg“, in dem England und Frankreich erbittert um das französische Königtum stritten, setzte sie, veranlasst durch Eingebungen und Visionen, durch ihren kämpferischen, unerschrockenen Mut und allen bedeutsamen (aber unfähigen) Zeitgrößen zum Trotz die Krönung des französischen Thronfolgers durch. Gekränkte männliche Eitelkeit und politisch-kirchliche Ränkespiele bescherten ihr den gewaltsamen Tod. Ein Vierteljahrhundert später erst wurde sie rehabilitiert und avancierte zur französischen Nationalheiligen. (Hier verbietet sich natürlich jeder Vergleich mit Greta!) Warum nun dieser seltsame Ausflug in die Geschichte? - Nach Jahrzehnten der empfundenen Stabilität wandeln sich viele Selbstverständlichkeiten. Auf manches haben wir keinen Einfluss; aber Greta – ähnlich wie Jeanne D’Arc – macht uns klar, wie sehr wir auch unseres Unglückes Schmied sind, WENN – ja, wenn wir schweigen, wo ein klares Wort hingehört, wenn wir stehenbleiben, wo ein Schritt nach vorn nötig ist. Religiös gesprochen nennt man das „Bekehrung“: Abkehr von falschem Verhalten, Hinkehr zu einem überlegten, neuorientierten Leben. Das haben christlich eingestellte Leute vor Ostern besonders geübt. Wir leben jetzt nach Ostern, und Ostern geht weiter: die Botschaft vom Leben - froh und menschenzugewandt. Am Sonntag heißt es im Evangelium: „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen.“ (Joh 10,28). Lassen wir uns das gesagt sein und tun (und lassen!) wir ohne Eitelkeit und Ränkespiele dafür, was wir können.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Pfr. Bernhard Brackhane

 

 

Pfarrer Bernhard Brackhane, Foto Westfalen Blatt

Bild: LilliCo Schmidt / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

 

Drucken E-Mail

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.