Der Pavian und der rote Mantel

traffic lights 4097537 by pixel2013 pixabay pfarrbriefserviceEs soll ja Menschen geben, die man für ungeeignet hält: für verantwortungsvolle Aufgaben, für einen beruflichen Aufstieg, für eine Leitungsposition, für eine Funktion im Lichte der Öffentlichkeit. Eigentlich ist es einem klar: „Das kann der nicht! Der ist fehl am Platz!“

Weil ihnen das Format fehlt. Oder die (Herzens-)Bildung. Oder die Menschenkenntnis. Oder meine Sympathie? Oder vielleicht, weil man selbst … Als mal wieder von jemandem die Rede war, der dorthin aufgerückt war, wo er nach meinem Ermessen nicht hingehört hätte, sprach ich mit einem Freund darüber. Dieser, ein Bayer, meinte nur trocken: „Weißt‘, wenn du einem Pavian ein‘ roten Mantel umhängst, so bleibt’s doch a Pavian!“ Nach dem ersten zufriedenen „Ja!“ beschlichen mich aber doch weitergehende Gedanken: Ist es für mich wirklich wichtig, welcher Pavian welchem roten Mantel nachrennt? Und tut es mir leid um den Mantel, den der Pavian verschleißt – oder wäre ich selbst gern der Pavian? Aber der Pavian wird immer auf seinen Affenfelsen zurückkehren; sein Horizont wird nicht größer durch den roten Mantel. Und ein sympathisches, possierliches Äffchen wird er dadurch auch nicht. – Liebe Leserin, lieber Leser, die langen und weiten roten Mäntel, die seidenen und brokatenen Umhänge, die Bommel und Bordüren, die Schleppen und Schleifen, die Kordeln und Kokarden haben in früheren Zeiten bedeutsame Leute kenntlich gemacht. Format und echte Größe verliehen sie nicht. – „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein … Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen …“ (Mk 10,42-45) Das Markusevangelium überliefert diesen Satz aus dem Munde Jesu. Der empfiehlt damit nicht servile Unterwürfigkeit. Dienen in seinem Sinne würde ich heute so übersetzen: So leben, dass es anderen hilft. - Ich habe mir etwas vorgenommen: Wenn ich im Fernsehen einen Pavian sehe, der mit dunkelblauem Anzug und weißem Hemd über einen roten Teppich stolziert und wenig Sinnvolles und Hilfreiches von sich gibt, oder einen, der mit prächtigen, glänzenden Gewändern über Marmorböden gleitet, dann will ich nicht darüber nachdenken, welcher Affenfelsen seinen Horizont begrenzt. Dann will ich schauen, was 5 - 10 Meter vor mir ist: ob da jemand ist, für den ich nützlich oder hilfreich sein kann. Und – Gott sei Dank! - ich kenne viele, die mir ein gutes Beispiel geben. Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Pfarrer Bernhard Brackhane

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 7. September 2019

Bild: © pixel2013 / Pixabay.com - Lizenz
In: Pfarrbriefservice.de

 

Pfarrer Bernhard Brackhane, Foto Westfalen Blatt

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

 

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