© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Von Hirten und Herden

In der katholischen Kirche ist der Gottesdienst am vierten Sonntag in der Osterzeit immer geprägt von der Bildrede Jesu vom Guten Hirten, wie sie das Johannesevangelium überliefert.

Jesus sagt da „Ich bin der gute Hirte.“

Auch wenn Hirten und Herden von Schafen nicht mehr zum Stadtbild Bielefelds gehören, so kann man sie in den Außenbereichen der Stadt schon noch sehen.
Ein Hirte weckt positive Gefühle. In kaum einem anderen Berufsbild wird sichtbar, was es bedeutet, Verantwortung für andere zu übernehmen und verantwortlich zu handeln. Ein Hirt sorgt für das Wohlergehen der Herde. Jedes einzelne Tier liegt ihm am Herzen.

Jesus Christus kann dieses Bild und die Gefühle, die damit verbunden sind, gut auf sich und sein Tun beziehen. Dafür ist er von Gott gesandt: Er soll der Hirte des Volkes Gottes sein. Er soll dafür sorgen, dass es allen Menschen gut geht.

Verantwortlich für das Wohlergehen von Menschen sind heute viele. Damit meine ich nicht unbedingt das Hirtenamt in der Kirche, das vom Papst und den Bischöfen wahrgenommen wird.
Für das Wohlergehen der Menschen heute sind insbesondere diejenigen verantwortlich, die in der Politik die großen und weltverändernden Entscheidungen treffen.
Die Globalisierung führt dazu, dass Entscheidungen sich nicht mehr nur auf einen kleinen Kreis der Menschheitsfamilie beziehen, sondern politische Entscheidungen haben nicht selten Auswirkungen auf sehr viele Menschen.
Die kriegerischen Ereignisse im Iran, im Nahen Osten, in der Ukraine und an anderen Stellen machen das deutlich.
Jeder Präsident, jede Führungskraft in der Welt muss sich bewusst sein, dass sie nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Land haben, sondern dass es um eine Weltverantwortung geht.

Der Sonntag des Guten Hirten will jedes Jahr neu daran erinnern: Es geht um alle Menschen! Alle gehören zu einer Menschheitsfamilie.

Und das Wohlergehen aller in Frieden und Sicherheit muss das Ziel allen verantwortlichen politischen Handelns sein.

Jesus Christus hat ein Beispiel für solch ein Handeln gegeben. Ihm gilt es, im Tun nachzufolgen – nicht nur in KI-Bildern.

Autor: Dechant Norbert Nacke

... in Lippe

Endlich ‘mal durchregieren!?

In unserer Zeit wächst der Wunsch, dass es Politiker und Mächtige gibt, die endlich einmal „ihr Ding“ durchziehen und ohne Rücksicht führen. Demokratische Prozesse scheinen vielen lästig, weil in ihren Augen Kompromisse die Klarheit der eigenen Sache vernebeln.

Doch bei genauem Hinsehen verwundert dieser Wunsch! Erleben wir doch ganz aktuell, wo wir landen, wenn selbstbezogene Machthabende so handeln – in einer Welt voller Kriege. Es funktioniert nicht, mit Bomben und Raketen, mit stumpfer Gewalt ein gewalttätiges Regime anzugreifen – jedenfalls nicht mit dem Ziel einer besseren und freien Welt!

Der christliche Gott geht einen anderen Weg. Er ist alles andere als in Selbstherrlichkeit und Narzissmus gefangen.
Das wird gerade an Ostern, in den Kar- und Ostertagen deutlich.

Gottes Sohn geht ans Kreuz, weil er für das freie Leben aller Menschen einsteht. Sein Engagement bringt ihm Verfolgung, Leid, Schmerz und Tod am Kreuz. Gott schlägt nicht dazwischen, sondern geht mit, hält aus, erzeugt keine neues, kein noch größeres Leid!

Ist das naiv? – Es ist menschlich! Menschen werden geachtet, nicht ihrer Würde durch andere beraubt, nicht abgewertet und missbraucht. Im Sinne einer guten, gerechten und friedlichen Welt ist das alternativlos.

Diese Botschaft von Karfreitag fordert uns alle heraus. Denn wir alle kennen Bedrohungs- und Verlustängste. Niemand will wehrlos sein und ausgeliefert. Auch das ist menschlich! – Es ist jedoch ein schmaler Grat, zwischen sich zu wehren und mit Gewalt einschüchtern und zerstören zu wollen.

Der christliche Gott bleibt entschieden – menschlich und verletzlich! Ostern zeigt es sich: Darin ist er mächtig!

Autor: Johannes Brüseke