Fehlerfrei?
Wer heute ein Klassenzimmer betritt, findet sie in fast allen Federmäppchen: bunte Gel-Stifte mit Tiermotiven. Sie schreiben sauber, sie sehen nett aus und vor allem kann man das Geschriebene ohne Rückstände einfach wieder wegradieren.
Ein falsch geschriebenes Wort, eine missglückte Übersetzung oder eine Rechnung, die nicht aufgeht – nach einem kurzen Strich mit dem Radierer am Stiftende ist der Fehler nicht mehr zu sehen.
Genau darin liegt eine wichtige Lernerfahrung in der Schule: Fehler sind nicht das Ende. Sie sind Teil des Lernens. Entscheidend ist nicht, dass etwas falsch war, sondern ob ich bereit bin, noch einmal hinzuschauen und neu anzufangen.
Die vorösterliche Bußzeit erinnert uns daran, dass auch unser Leben kein fehlerfreier Entwurf ist: Wir vergreifen uns im Ton, treffen falsche Entscheidungen oder gehen Wege, die uns und anderen nicht guttun.
Gott fährt dann nicht etwa mit dem Rotstift über unser Leben, um unsere Schuld hervorzuheben.
Er radiert sie aber auch nicht einfach aus, als wäre nichts gewesen.
Gott will uns vielmehr durch seine Vergebung verändern, damit wir mit einem erneuerten Herzen eine neue Richtung einschlagen.
In der Sprache der Bibel heißt das Umkehr.
Die nächsten sieben Wochen sind eine Einladung zur Umkehr – nicht aus Angst, sondern aus Hoffnung. Wir dürfen hoffen, dass wir mehr sind als unsere Versäumnisse; dass Beziehungen heilen können, wo wir mit Worten oder Taten verletzt haben; und dass Gott in uns etwas wachsen lässt, was stärker ist als unsere Gewohnheiten.
Am Ende der Fastenzeit steht das Osterfest.
Ostern erzählt davon, dass Gott aus dem, was zunächst gescheitert scheint, neues Leben entstehen lässt. Wer sich auf die Umkehr einlässt, übt genau das: dem Leben mehr zu trauen als den Fehlern.
Autorin: Christina Brunke