Zeitungsstapel vor Laptop© Kozyr/Shutterstock.com

Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Wo zwei oder drei versammelt sind

„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Matthäus 18,20
Gemeinschaft ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit, nach Verbindung, nach Momenten, die wir nicht allein erleben müssen.

Festivals sind Ausdruck genau dieser Sehnsucht: Menschen kommen zusammen, um zu feiern, loszulassen, sich lebendig zu fühlen. Für viele sind das Momente intensiver Gemeinschaft — laut, bunt, emotional.

Genau das durfte ich letzte Woche auf einem Festival in der Nähe von Kassel erleben. Seniorenheime ziehen durch volle Straßen mit Fähnchen, auf denen steht „Feiern hat kein Alter“. Konzerte werden unterbrochen, weil eine Person sich verletzt und auf jeden einzelnen Menschen absolute Rücksicht genommen wird. Eine Frau im Rollstuhl beim Crowdsurfing, indem sie in ihrem Rollstuhl über die Menschenmenge getragen wird. Gruppen aller Altersstrukturen, unterschiedlichsten Einstellungen und Aussehen feiern friedlich zusammen.

Auf einem Festival steht oft das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund: Musik, Freude, Ausbruch aus dem Alltag. Es ist eine Gemeinschaft auf Zeit.

Aber was unterscheidet diese Festivalgemeinschaft von der Gemeinschaft, die wir als Christen erleben?
In der christlichen Gemeinschaft geht es nicht um das Erlebnis, sondern um die Beziehungen – untereinander und zu Gott.
Diese Gemeinschaft lebt von der Liebe, der Vergebung, dem gemeinsamen Glauben und dem Gebet. Hier wird nicht nur gefeiert, sondern auch getragen, ermutigt, aufgebaut.
Es ist eine tiefere Verbundenheit, die nicht auf Unterhaltung beruht, sondern auf dem, was bleibt: Jesus Christus.

Während ein Festival uns für einen Moment aus dem Alltag holt, verändert Gemeinschaft mit Gott den Alltag selbst. Sie schenkt Halt, wenn das Leben schwierig wird. Sie gibt Hoffnung, wenn alles andere vergeht.
Und sie trägt auch dann noch, wenn der letzte Ton verklungen ist.

Autorin: Adina Hollenhorst

... in Lippe

Sonnenwende

Ich mag Sonnenuhren. Schon als Kind – und als Erwachsene erst recht.
Zwar brauchen wir in unserer global vernetzten Welt eine standardisierte, genaue Uhrenzeit. Aber schon unser Körper „tickt“ anders, Stichwort: Jetlag! Aber ganz unabhängig davon birgt die „Wahre Ortszeit“ der Sonnenuhren eine ganz eigene, auch spirituelle Faszination.

Denn: jeder Ort hat seine eigene! Nehmen Sie sich heute einen Moment Zeit, wenn Sie mögen: um 13.26 Uhr erreicht die Sonne ihren höchsten Stand – genau hier. Nur hier. Genau auf Süd: Wahrer Mittag. Für Heute. Und nur heute.

Denn es ist Sommersonnenwende: der längste Tag des Jahres. Ab jetzt wird es anders: der Höhepunkt ist überschritten; die Tage werden kürzer.

Für die Sonnenuhren hat jeder Ort „seine“ Zeit.
Auch jeder Mensch hat „seine“ Zeit. Und in unserem oft durchgetakteten Alltag tut es gut, solche „Zeitmarken“ bewusst wahrzunehmen – die großen kosmischen Zäsuren der Sonnenwenden genauso wie die kleineren Rhythmen: Den Sonntag als Ruhetag. Jeden neuen Morgen.
Als „Unterbrechung“ und Zeit zur Besinnung: wo stehe ich? Was prägt gerade meine Zeit? Denn oft sind gerade die kleinen Momente besonders kostbar, und nur im Augenblick leben wir ganz. Jetzt. Jetzt. Und Jetzt.

Das ist die wichtigste, die „wahre“ Zeit: Das Jetzt. Immer nur eins. Und noch eins. Für alles, wofür ich Zeit haben möchte. Zum Freuen, Lieben, Genießen. Zeit zum Leben, mir ganz umsonst geschenkt. Und geborgen – in Gottes Zeit. Für immer. Bis ins Jenseits aller Zeit.

Autorin: Hildegard Schneider