Viecherlsegnung
Vielleicht braucht das Gehirn bei der Überschrift ein wenig mehr Zeit?
Der bayrische Ausdruck in einem Kirchenblatt blieb bei mir hängen. In Bielefeld nennt man häusliche Lieblinge weder Viecherl, noch pflegt man hierzulande deren Segnung.
Im katholisch Ländlichen wird wohl um das Gedeihen und den Schutz von Fauna und Flora besonders vor Pfingsten gebetet. Je katholischer die Gegend, umso eher trifft man auch in Städten Kirchenleute, die in oder neben die Kirche zur Segnung der Haustiere einladen.
Unkundig, weil Nicht-Haustier-Besitzer, wage ich mich heute thematisch weit vor: Ich hatte mit vielen Menschen Kontakt, die sehr mit einem Tier verbunden waren und sich von ihren Lieblingen aufgrund der kürzeren Lebenszeit mit großer Traurigkeit verabschieden mussten.
Und wie bei Kindern gibt’s hier und da die Frage: Kommen Tiere in den Himmel? Ein vollmundiges „Ja!“ fiel mir immer schwer; ein knalliges „Nein!“ noch mehr.
Als Theologe halte ich fest: Tiere haben keine „unsterbliche Seele“ wie der Mensch; sie sind uns nicht einfach gleich. Aber klar ist auch: Sie sind (häufig viel ältere) Mitgeschöpfe, denen Gott Lebensatem schenkt.
Vor der völligen Vernichtung durch die Sintflut wurden sie sorgfältig durch Noah bewahrt (Gen 7,14-16). Ob sie aber „im Himmel“, im nicht sichtbaren Reich Gottes sein werden, wird im Zweiten Testament (NT) nirgendwo ausdrücklich behandelt. Wohl lesen wir bei Paulus: „Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ (Röm 8,21f). Im Ersten Testament (AT) steht mehr Aussagekräftiges: Beim Lob des Schöpfers (Ps 104,11-26.30f; 148,10), bei der Beschreibung eines versöhnten Miteinanders, wenn Gottes Reich sich zeigt (Jesaja 11,6-8). – Mit zu bedenken ist: Wenn wir aus der Bibel ableiten dürfen, dass die häuslichen Lieblinge an der Erlösung der Schöpfung teilhaben werden, dann sollten wir daran denken, dass dies auch den Lebewesen gilt, die man von Speisekarten und Tellern kennt.
Ja, Gott, befreie deine Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes! – Liebe Leserin, lieber Leser, Ihnen allen gute Wünsche und – wenn möglich – schon jetzt etwas weniger Seufzen!
Autor: Pfarrer Bernhard Brackhane