© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Frühling für die Seele

An diesem Wochenende sind wir umgeben von besonderen Tagen – Tage, die den Alltag unterbrechen und uns innehalten lassen.

Feiertage schenken uns Zeit: Zeit zum Durchatmen, zum Ausruhen, zum Zusammensein. Sie bringen Familien und Freunde an einen Tisch, lassen uns Gewohntes pflegen und Vertrautes neu entdecken.

Gerade die Kar- und Ostertage tragen dabei eine besondere Stimmung in sich. Es ist, als ob sich nicht nur die Natur wandelt, sondern auch etwas in uns selbst. Der Frühling hält Einzug – das Licht wird heller, die Tage wärmer, das Leben spürbar lebendiger. Kinder lachen, suchen bunte Eier, staunen über kleine Traditionen. Und in den Erwachsenen werden Erinnerungen wach: an unbeschwerte Zeiten, an Rituale, die Geborgenheit schenken.

Doch diese Tage sind mehr als schöne Gewohnheiten. Sie erzählen eine Geschichte, die tief in unserem Glauben verwurzelt ist: die Geschichte von Jesus Christus – von Gemeinschaft, von Leid und von Hoffnung. Wir erinnern uns an das letzte Abendmahl, an den Weg ans Kreuz sowie seinen Tod und schließlich an die Auferstehung. Ostern ist die Botschaft, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass Hoffnung größer ist als alle Verzweiflung.

Diese Botschaft berührt etwas sehr Menschliches in uns. Jeder kennt Zeiten der Dunkelheit, Momente der Unsicherheit oder der Erschöpfung. Doch ebenso kennt jeder das Gefühl, wieder aufzustehen, neu anzufangen, weiterzugehen. Hoffnung ist keine ferne Idee – sie ist eine Kraft, die in uns lebt.

Vielleicht ist genau jetzt ein Moment, um auf das eigene Leben zu schauen. Was belastet mich? Wo wünsche ich mir Licht? Wo sehne ich mich nach einem neuen Anfang? Die Kar- und Ostertage laden dazu ein, diese Fragen zuzulassen – und zugleich darauf zu vertrauen, dass wir nicht allein sind.

Denn wie auf die Dunkelheit des Karfreitags das Licht von Ostern folgt, so kann auch in unserem Leben Neues wachsen. Manchmal leise und kaum spürbar, manchmal überraschend und kraftvoll. Jeder kleine Schritt, jeder Moment des Aufatmens, jede Spur von Zuversicht ist ein Zeichen dafür.

Ich wünsche Ihnen, dass die Kar- und Ostertage Ihr Herzen berühren und dass sie Ihnen Ruhe schenken, neue Kraft und den Mut, auf das Licht zu vertrauen – heute und an den Tagen, die vor Ihnen liegen.

Autorin: Adina Hollenhorst

... in Lippe

Endlich ‘mal durchregieren!?

In unserer Zeit wächst der Wunsch, dass es Politiker und Mächtige gibt, die endlich einmal „ihr Ding“ durchziehen und ohne Rücksicht führen. Demokratische Prozesse scheinen vielen lästig, weil in ihren Augen Kompromisse die Klarheit der eigenen Sache vernebeln.

Doch bei genauem Hinsehen verwundert dieser Wunsch! Erleben wir doch ganz aktuell, wo wir landen, wenn selbstbezogene Machthabende so handeln – in einer Welt voller Kriege. Es funktioniert nicht, mit Bomben und Raketen, mit stumpfer Gewalt ein gewalttätiges Regime anzugreifen – jedenfalls nicht mit dem Ziel einer besseren und freien Welt!

Der christliche Gott geht einen anderen Weg. Er ist alles andere als in Selbstherrlichkeit und Narzissmus gefangen.
Das wird gerade an Ostern, in den Kar- und Ostertagen deutlich.

Gottes Sohn geht ans Kreuz, weil er für das freie Leben aller Menschen einsteht. Sein Engagement bringt ihm Verfolgung, Leid, Schmerz und Tod am Kreuz. Gott schlägt nicht dazwischen, sondern geht mit, hält aus, erzeugt keine neues, kein noch größeres Leid!

Ist das naiv? – Es ist menschlich! Menschen werden geachtet, nicht ihrer Würde durch andere beraubt, nicht abgewertet und missbraucht. Im Sinne einer guten, gerechten und friedlichen Welt ist das alternativlos.

Diese Botschaft von Karfreitag fordert uns alle heraus. Denn wir alle kennen Bedrohungs- und Verlustängste. Niemand will wehrlos sein und ausgeliefert. Auch das ist menschlich! – Es ist jedoch ein schmaler Grat, zwischen sich zu wehren und mit Gewalt einschüchtern und zerstören zu wollen.

Der christliche Gott bleibt entschieden – menschlich und verletzlich! Ostern zeigt es sich: Darin ist er mächtig!

Autor: Johannes Brüseke