© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Gesalbt, nicht angeschmiert

Am vergangenen Wochenende wurde in Bielefeld das Sakrament der Firmung gespendet. Es waren bewegende Gottesdienste, in denen junge Menschen bewusst „Ja“ zu ihrem Glauben gesagt haben. Ich durfte dabei neben Weihbischof Josef Holtkotte stehen und die Sakramentenspendung miterleben.

Das Sakrament der Firmung ist weit mehr als ein feierlicher Moment im Leben eines Jugendlichen.
Die Salbung mit Chrisamöl drückt aus, was jeden Menschen von Anfang an prägt.

Der verstorbene Limburger Bischof Franz Kamphaus hat es einmal so formuliert: „Durch die Salbung kommt ans Licht, was allen Menschen von Gott geschenkt ist: eine unzerstörbare Würde. Der Mensch hat seine Würde, nicht einen bestimmten Wert. Das ist etwas anderes. Gnade uns Gott, wenn wir anfangen, Würde und Wert zu vertauschen.“

Gerade in einer Zeit, in der Menschen oft nach Leistung, Erfolg, Aussehen oder Nutzen beurteilt werden, ist diese Botschaft von großer Bedeutung. Unsere Würde hängt nicht davon ab, was wir leisten oder besitzen. Sie ist ein Geschenk Gottes und deshalb unverlierbar.

Das Sakrament der Firmung erinnert zugleich daran, dass Gottes Geist Menschen stärkt und befähigt. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes – Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht – beschreiben nach Pater Anselm Grün den Menschen, der aus dem Heiligen Geist heraus lebt.
Sie sind keine Auszeichnungen für besonders Fromme, sondern Hilfen für den Alltag. Sie helfen dabei, gute Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Weg zu finden.

Vielleicht ist genau das eine Botschaft, die nicht nur für Jugendliche gilt.

Das Sakrament der Firmung erinnert uns alle daran, dass wir Menschen mit Würde sind und zugleich Menschen, die Verantwortung tragen. Gottes Geist nimmt uns nicht die Herausforderungen des Lebens ab. Aber er schenkt Mut, Kraft und Orientierung, ihnen zu begegnen.

So wünsche ich den neu Gefirmten und uns allen, dass wir aus dieser Gewissheit leben: Wir sind von Gott angenommen, mit Würde beschenkt und für das Leben gestärkt.

Autorin: Adina Hollenhorst

... in Lippe

Haste da noch Töne?

Der Predigttext des Sonntags „Kantate“ aus 2 Chronik 5 kommt in der regulären katholischen Leseordnung gar nicht vor; allenfalls als Wahlmöglichkeit beim Gedenken an eine Kirchweihe.
Schade eigentlich. Denn da geht einem doch das Herz auf, wenn so mit Pauken und Trompeten buchstäblich… ja, was genau? Salopp gesagt: große Töne gespuckt werden!
Da wird die heile Welt beschworen: Friede, Sicherheit, Gott greifbar im Tempel, der Kult vom feinsten… Früher war alles besser? Schon klar. Natürlich, der Ton ist rauer geworden seither, davon können wir alle ein Lied singen. Für viele scheint es gar zum guten Ton zu gehören, bei jeder Gelegenheit auf die Kirche(n) zu schimpfen. Und Grund genug dazu gibt es, keine Frage. Will man diesem Tenor aber irgendwie begegnen, ist es gar nicht so einfach, den richtigen Ton zu treffen: zu viele Miss-stände, Miss-klänge schwingen mit.
Wir werden nicht mehr den Ton angeben, so viel ist klar; jedenfalls bis auf weiteres nicht. Und das ist gut so. Denn es sollte uns, die wir uns Christen nennen, um die leiseren Töne gehen: Die nicht Anderen unsere Gewissheiten um die Ohren schlagen. In denen noch etwas zu ahnen ist von der „Stimme verschwebenden Schweigens“, wie Martin Buber die Gottesgegenwart einmal so unnachahmlich formuliert hat.
Wie gut täte es, wenn wir davon ein Lied singen könnten: von einem Gott, der Zerbrochenes heil macht, Geknicktes aufrichtet, und diese unsere Welt, so verwundet sie ist, dennoch liebend in Händen hält!

Autorin: Hildegard Schneider