© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Was wirklich satt macht

An der Supermarktkasse ist viel Betrieb. Die Schlange reicht ein gutes Stück durch den Gang. Einkaufswagen stehen hintereinander, langsam rückt alles vor. Menschen warten.

Wer einen Moment hinschaut, kann etwas beobachten: Nach wenigen Sekunden greifen viele ganz automatisch zum Smartphone. Kurz prüfen, ob eine Nachricht gekommen ist. Vielleicht eine Schlagzeile überfliegen. Oder ein paar Sekunden durch Bilder und Meldungen scrollen.

Der kleine Moment des Wartens wird sofort gefüllt.

Solche Szenen lassen sich inzwischen an vielen Orten beobachten: an der Bushaltestelle, im Wartezimmer, auf dem Bahnsteig. Kaum entsteht ein kurzer freier Augenblick, wird er sofort genutzt, oder besser gesagt: gefüllt.
Unser Alltag ist dicht geworden. Nachrichten, Termine, Informationen, Bilder. Eine Meldung folgt auf die nächste, eine Aufgabe auf die andere.

Und doch drängt sich dabei eine Frage auf: Womit füllen wir eigentlich unsere Zeit? Und noch wichtiger: Was füllt eigentlich uns?

Mitten in der Fastenzeit lohnt es sich, dieser Frage noch einmal nachzugehen. Vielleicht hat man sich zu Beginn schon einmal gefragt, worum es in diesen Wochen eigentlich geht.
Gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich das noch einmal bewusst zu machen.

Viele denken beim Fasten zuerst an Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Rauchen.
Doch der eigentliche Sinn dieser Wochen liegt tiefer. Fasten soll Raum schaffen.
Wenn etwas wegfällt, merken wir plötzlich, wie selbstverständlich vieles geworden ist.

Und in diesem Raum kann sich auch etwas neu ausrichten: unser Blick auf das eigene Leben und auf Gott.

Genau dort taucht eine weitere Frage auf: Was nährt mich eigentlich wirklich? Was gibt meinem Leben Kraft und Halt?

Unser Leben erschöpft sich eben nicht nur in dem, was wir konsumieren oder erledigen.

Menschen brauchen mehr: Begegnung, Zeit füreinander, Momente der Stille. Und in solcher Stille kann sich etwas öffnen: die Begegnung mit Gott, der unser Leben trägt und ihm Richtung gibt.

Die Fastenzeit will uns deshalb helfen, wieder aufmerksamer zu werden. Sie lädt dazu ein, manches bewusst zur Seite zu legen und neu zu gewichten. Nicht um weniger zu leben, sondern um tiefer zu leben. Sie will uns auch stiller werden lassen, damit wir wieder wahrnehmen können, was unsere Seele wirklich nährt.

Es beginnt mit kleinen Schritten: in einem Moment der Stille und in der leisen Erfahrung, dass Gott unser Leben trägt und begleitet.

Autor: Vikar Markus Hanke

... in Lippe

Hoffnung in kleinen Schritten

Im Januar rede ich schnell von Vorsätzen. Ich kenne den Moment, wenn nach zwei Wochen die Energie weg ist und die guten Ideen wie liegengebliebene Turnschuhe in der Ecke stehen.
Dann meldet sich diese Stimme in mir: „Siehst du? Wieder nicht geschafft.“

Seit dem Pilgerjahr der Hoffnung schaue ich milder darauf.
Für mich war es ein Startpunkt: weil die Hoffnung kleiner werden durfte – als nächster Schritt. Auch wenn dieses Pilgerjahr inzwischen offiziell abgeschlossen ist, darf weitergehen, was dort begonnen hat.

Die Bibel beschreibt den Glauben nicht als Selbstoptimierung, sondern als Weg. „Selig die Menschen, die Kraft finden in dir, die Pilgerwege im Herzen haben“ (Ps 84,6).

Das klingt für mich erstaunlich alltagstauglich. Ich darf unterwegs sein: gehen, stolpern, anhalten, sich stärken oder neu orientieren, weitergehen.

Wenn Vorsätze mich hart machen, dann war das vermutlich nicht Gottes Spur. Gott beginnt bei mir, so wie ich heute bin, mit meinen Grenzen, meinem Tempo und meiner Wirklichkeit. Mein Vorsatz ist oft kein mehr, sondern ein genug: ein Schritt, der heute möglich ist. Und ein Stoßgebet: Gott, gib mir die Kraft dafür.

Autor: Niklas Sonderkamp