© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Resilienz allein reicht nicht

Der folgende Jahresrückblick ist zugleich eine Jahresvorausschau: Überforderung und Sorge aufgrund multipler Krisen. Überforderung und Stress aufgrund zu hoher Ansprüche an persönliche Kapazitäten. Überhaupt kein Ausweg in Aussicht.

Die empfohlenen Mittel gegen das Ungemach werden uns genauso weiter begleiten: Resilienz, Ambiguitätstoleranz, Fluidität. Wer sich erschlagen fühlt von diesen Schlagwörtern aus der Lebensratgeber-Branche, muss nur dieses für das nächste Partygespräch und für’s Verstehen dieses Textes wissen: Lerne, die Widersprüche dieser Welt auszuhalten und dich geschmeidig an wechselnde Zumutungen anzupassen. Ja, wenn’s denn hilft…

Wozu verhilft uns solch mentales Training denn? Zweck und Ziel soll sein, dass wir weiterhin die gegenwärtige Überforderung durchleben können – möglichst gesund, möglichst unverzweifelt. Das ist unzweifelhaft sinnvoll, vermutlich sogar erforderlich, auf persönlicher wie auf kollektiver Ebene.

Um das zu erreichen, müssen wir die Gegebenheiten annehmen.
Ständiges Hadern mit den Bedingungen („Wäre es doch endlich schöner!“) oder Leugnen der Tatsachen („Was nicht sein darf, das gibt’s auch nicht.“) helfen nur kurzzeitig über den Winter. Denn was im Herbst untergepflügt wird, wächst im Frühjahr wieder – schlimmstenfalls uns über den Kopf.

Sich den Schwierigkeiten und Bedrohungen zu stellen, ist keine so neue Idee. Jesus forderte dazu auf, sein Kreuz auf sich zu nehmen: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Aber seine Aufforderung geht über das Konzept der Resilienz hinaus. Jesus bleibt nicht beim guten Tipp stehen, zunächst einmal mit den Miseren klarzukommen. Hart prallt die Anweisung auf die Ohren, sich selbst zu verleugnen.

Hart prallen auch die Widersprüche der Welt auf den Verstand. Einer der größten Widersprüche überhaupt ist, dass Menschen Teil der Natur sind, existenziell auf sie angewiesen sind und sie sogar lieben, sie aber dennoch zerstören.

Ein weiterer riesiger Widerspruch ist, dass Menschen über das Leben in ständiger Beschleunigung oder in Vereinzelung klagen, sie aber kräftig und leidend daran arbeiten, dass es so bleibt.

Jesus rät dir erstens, solche Missstände anzuerkennen und anzunehmen. Ihm geht es dabei aber nicht nur um deine eigene Rettung in deiner eigenen kleinen Welt. Deshalb fragt er zweitens schonungslos, warum du selbst nicht an deren Überwindung arbeitest – an der Überwindung der Missstände und deiner kleinen Welt.

Du kannst dich selbst zurücknehmen, du kannst selbstgenügsamer sein, du kannst den Blick heben von deiner Nabelschau. Durch diese gesunde Selbstverleugnung kannst du Jesus folgen.

Folgen? Wohin denn? In die radikale Zärtlichkeit! „Radikale Zärtlichkeit“ wäre ein gutes neues Schlagwort für 2026.

Autorin: Valentina Dopheide

... in Lippe

Friedenslicht

Zünden Sie eine Kerze an oder der schalten Sie lieber eine LED-Kerze ein? Sicher ist Letzteres. Sicherheit geht vor. Dennoch spüre ich jedes Mal den Unterschied zur echten Flamme und genieße diesen besonderen Glanz.

Das Friedenslicht, das nun in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem entzündet wurde, ist eine echte Flamme. Wie jedes Jahr wird es weltweit weitergegeben.

Die Idee dahinter ist einfach und kraftvoll: Ein kleines Licht, das Frieden und Hoffnung symbolisiert und von Mensch zu Mensch getragen wird.

Das wird in Lemgo auf dem Marktplatz und in Detmold auf dem Kirchplatz Heilig Kreuz zu erleben sein.
Die Flamme fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue: Das flackernde Licht spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen wider. Es erinnert mich an Jesu Worte: Ich bin das Licht der Welt – und auch ihr seid Licht in der Welt.

Die Aktion „Friedenslicht“ erinnert daran, dass Frieden kein abstraktes Konzept ist, sondern vielmehr durch konkrete Taten im Alltag entsteht: ein freundlicher Gruß, ein offenes Ohr, eine helfende Hand.
In einer Zeit, die oft von Konflikten und Unsicherheit geprägt ist, dürfen wir innehalten und Wesentliches nicht aus den Augen verlieren: Frieden, Versöhnung und Menschlichkeit.

Ein kleines Licht in der Dunkelheit kann unseren Weg erhellen – nicht als Ablenkung von der Realität, sondern als Einladung, gemeinsam für unsere Welt zu sorgen. Ich wünsche Ihnen Zuversicht im Herzen und die Kraft, jeden Tag etwas Frieden und Licht in die Welt zu tragen.

Autorin: Annkathrin Tadday