Gesalbt, nicht angeschmiert
Am vergangenen Wochenende wurde in Bielefeld das Sakrament der Firmung gespendet. Es waren bewegende Gottesdienste, in denen junge Menschen bewusst „Ja“ zu ihrem Glauben gesagt haben. Ich durfte dabei neben Weihbischof Josef Holtkotte stehen und die Sakramentenspendung miterleben.
Das Sakrament der Firmung ist weit mehr als ein feierlicher Moment im Leben eines Jugendlichen.
Die Salbung mit Chrisamöl drückt aus, was jeden Menschen von Anfang an prägt.
Der verstorbene Limburger Bischof Franz Kamphaus hat es einmal so formuliert: „Durch die Salbung kommt ans Licht, was allen Menschen von Gott geschenkt ist: eine unzerstörbare Würde. Der Mensch hat seine Würde, nicht einen bestimmten Wert. Das ist etwas anderes. Gnade uns Gott, wenn wir anfangen, Würde und Wert zu vertauschen.“
Gerade in einer Zeit, in der Menschen oft nach Leistung, Erfolg, Aussehen oder Nutzen beurteilt werden, ist diese Botschaft von großer Bedeutung. Unsere Würde hängt nicht davon ab, was wir leisten oder besitzen. Sie ist ein Geschenk Gottes und deshalb unverlierbar.
Das Sakrament der Firmung erinnert zugleich daran, dass Gottes Geist Menschen stärkt und befähigt. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes – Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht – beschreiben nach Pater Anselm Grün den Menschen, der aus dem Heiligen Geist heraus lebt.
Sie sind keine Auszeichnungen für besonders Fromme, sondern Hilfen für den Alltag. Sie helfen dabei, gute Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Weg zu finden.
Vielleicht ist genau das eine Botschaft, die nicht nur für Jugendliche gilt.
Das Sakrament der Firmung erinnert uns alle daran, dass wir Menschen mit Würde sind und zugleich Menschen, die Verantwortung tragen. Gottes Geist nimmt uns nicht die Herausforderungen des Lebens ab. Aber er schenkt Mut, Kraft und Orientierung, ihnen zu begegnen.
So wünsche ich den neu Gefirmten und uns allen, dass wir aus dieser Gewissheit leben: Wir sind von Gott angenommen, mit Würde beschenkt und für das Leben gestärkt.
Autorin: Adina Hollenhorst