© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Der nächste Schritt zählt

Am 3. Oktober 1990 war Deutschland wieder ein vereintes Land. Doch damit begann etwas, das sich durch keinen Vertrag herstellen lässt: Aus staatlicher Einheit musste menschliche Verbundenheit wachsen. Denn ein politischer Beschluss schafft noch kein Vertrauen zwischen Menschen.

Vertrauen entsteht dort, wo Menschen miteinander in Beziehung treten. Und dafür braucht es Zeit.

Das zeigt sich überall dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen aufeinandertreffen. Nähe und Vertrauen entstehen nicht auf Knopfdruck. Sie wachsen, wenn Menschen einander kennenlernen, wirklich zuhören und bereit sind, sich aufeinander einzulassen. Auch nach Enttäuschungen oder Konflikten braucht es oft Zeit, bis Vertrauen wieder wachsen kann.

Auch Jesus spricht im Evangelium von Einheit. Kurz vor seinem Tod betet er für die Menschen, die zu ihm gehören: „Alle sollen eins sein.“ Er spricht damit von einer Einheit, die mehr ist als bloße Übereinstimmung.
Die Menschen, die ihm folgen, bleiben verschieden. Sie haben unterschiedliche Erfahrungen, Charaktere und Sichtweisen. Verbunden sind sie miteinander, weil sie mit Christus verbunden sind. Unterschiede verschwinden dadurch nicht, aber sie müssen auch nicht das letzte Wort haben.

Das ist anspruchsvoll. Große Worte über Zusammenhalt sind schnell gesagt. Entscheidend wird es dort, wo Einheit wirklich gewollt wird und Beziehung konkret wird: wenn einer wirklich zuhört, wenn ein alter Vorwurf nicht immer wieder hervorgeholt wird oder wenn jemand den Mut hat zu sagen: „Lass uns noch einmal miteinander reden.“ Solche Schritte wirken klein.
Aber ohne sie bleibt Einheit schnell ein leeres Wort.

Der Tag der Deutschen Einheit erinnert an ein großes historisches Ereignis. Zugleich erinnert er uns daran, dass Einheit nie einfach fertig ist. Sie muss immer wieder wachsen – zwischen Menschen, in Familien und nicht zuletzt in unserem Land. Das braucht Geduld, Vertrauen und immer wieder die Bereitschaft, den anderen nicht aufzugeben.
Einheit beginnt genau dort, wo einer den nächsten Schritt auf den anderen zugeht – auch wenn es zunächst nur ein scheinbar kleiner.

Autor: Vikar Markus Hanke

... in Lippe

Nicht aufgeben. 

Als ich meinen Nichten und Neffen beim Spielen mit einem Tretroller zusah, brach nach kurzer Zeit ein Streit unter ihnen aus. Sie wollten nicht miteinander teilen, bis meine Nichte Regeln aufgestellt hat.
Alle Kinder durften dem Alter nach zwei Minuten fahren, die Zeit wurde gestoppt. Ich war beeindruckt, dass sie den Konflikt selbst gelöst und sich alle an die Vereinbarung gehalten haben.

In Mt.18,3 fordert uns Jesus auf wie Kinder zu sein.

Für mich bedeutet das vor allem bescheiden und ohne Vorurteile zu leben, aber auch hier konnte ich mir die Kleinsten zum Vorbild nehmen.
Ganz fremd ist das vermutlich für niemanden. In einem schlechten Augenblick folgt ein Wort auf das nächste und am Ende wurde viel gesagt aber nicht miteinander gesprochen.
Ein Großteil dieser Konflikte lässt sich untereinander lösen.

Es gibt aber auch Situationen, in denen es nicht mehr nur um Meinungsverschiedenheiten geht, sondern um Erniedrigungen und Ausgrenzungen, verursacht durch ein vermeintliches Gefühl von Überlegenheit. In solchen Momenten ist es wichtig, dass Menschen den Mut haben einzugreifen und Betroffenen zur Seite zu stehen.

Auch solche Konflikte können gelöst werden, wenn die Täter einsichtig sind und ihre Ideologie ablegen.
Vom Saulus zum Paulus, ein neuer Blick auf meinen Nächsten erfüllt mit Liebe, nicht mit Hass. So kann Gott in uns wirken.

Wichtig ist, dass wir einander nicht aufgeben und im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, damit Friede einkehrt. Vielleicht hilft es, wenn wir mit dem Verantwortungsbewusstsein eines Erwachsenen auch immer ein wenig Kind bleiben.

Denn kein Kind wird mit Hass im Herzen geboren, sie sind lernwillig, unvoreingenommen und bereit zu vergeben.

Autorin: Inga Haukambe