© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Gehen, um zu bleiben?!

„Jetzt isser endgültig wech!“, könnte man zu Christi Himmelfahrt mutmaßen – aber nicht der Vatertags-Ausflügler, der mit Kumpels und Bollerwagen losgezogen, sondern Christus, der zum Vater in den Himmel zurückgekehrt ist.

Ist die Welt jetzt „gottverlassen“, weil Christus die Welt verlassen hat?

Die Vorstellung, dass der menschgewordene Gott sich nun doch wieder aus der Welt zurückgezogen hat, könnte von sehr anschaulichen alten Ritualen wie dem, dass eine Christusfigur ins Gewölbe der Kirche hinaufgezogen wird und so schließlich den Blicken der Gläubigen nach oben entschwindet, tatsächlich bedient werden.

Im Evangelium sind allerdings wertvolle Hinweise nicht nur zum Weggehen, sondern auch zum Bleiben des Auferstandenen zu finden. Und auch ein kurzes Betrachten der Feste und besonderen Zeiten, welche uns an der Frohen Botschaft entlang durch das Kirchenjahr führen, kann uns helfen, das Christi-Himmelfahrts-Geschehen in das gesamte Kommen und Gehen und auch Bleiben Jesu einzuordnen:
Advent: Seit jeher suchen die Menschen in Zeiten der Bedrängnis nach Trost und Heil – verbunden mit der Hoffnung auf Rettung durch den in die Welt kommenden Messias.
Weihnachten: Mit Jesus wird der Retter und Heiland geboren; Gott macht sich sichtbar und greifbar für die Menschen, aber auch angreifbar in der Welt.
Gründonnerstag: Als Jesus der Tod am Kreuz und damit der Abschied von seinen Jüngern bevorsteht, hinterlässt er ihnen zeichenhaft in der Fußwaschung den Auftrag zur dienenden Liebe und im gemeinschaftlichen Abendmahl sein Bleiben über den Tod hinaus in der Gestalt von Brot und Wein – mit dem Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
Karfreitag: Mit der Kreuzigung und dem Tod Jesu scheint es, dass Gott mit seiner Menschwerdung gescheitert ist. War sie nur eine Episode und bleibt von „Gott in der Welt“ doch nur die Erinnerung?
Ostern: Am dritten Tag danach aber zeigt Jesus sich als Auferstandener den Frauen und den anderen Jüngern, gibt ihnen also die Gewissheit, dass er lebt. Über Maria Magdalena, die ihm am leeren Grab begegnet, hören wir, dass sie ihn festhalten will, um ihn nicht erneut zu verlieren. Doch er gibt ihr zu verstehen, dass sie loslassen und er zum Vater heimkehren muss.
Christi Himmelfahrt und Pfingsten: Im Johannesevangelium kündigt Jesus zwar seinen erneuten Abschied an, wenn er die Welt verlassen wird, gibt aber gleichzeitig die Zusage, dass die Welt doch nicht verlassen sein würde, denn er schickt als Beistand den Heiligen Geist: „Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat (…) Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.“

Die eigentliche Botschaft von Christi Himmelfahrt ist also nicht „Jetzt isser wech!“, denn was auf den ersten Blick so paradox klingt – er muss gehen, um schließlich zu bleiben – wird uns am Ende des Evangeliums zu Christi Himmelfahrt zugesagt. „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Ihnen allen einen frohen Feiertag mit dem wunderbaren Versprechen des Auferstandenen, dass er bleibt, auch wenn er gegangen ist.

Autorin: Eva-Maria Nolte

... in Lippe

Haste da noch Töne?

Der Predigttext des Sonntags „Kantate“ aus 2 Chronik 5 kommt in der regulären katholischen Leseordnung gar nicht vor; allenfalls als Wahlmöglichkeit beim Gedenken an eine Kirchweihe.
Schade eigentlich. Denn da geht einem doch das Herz auf, wenn so mit Pauken und Trompeten buchstäblich… ja, was genau? Salopp gesagt: große Töne gespuckt werden!
Da wird die heile Welt beschworen: Friede, Sicherheit, Gott greifbar im Tempel, der Kult vom feinsten… Früher war alles besser? Schon klar. Natürlich, der Ton ist rauer geworden seither, davon können wir alle ein Lied singen. Für viele scheint es gar zum guten Ton zu gehören, bei jeder Gelegenheit auf die Kirche(n) zu schimpfen. Und Grund genug dazu gibt es, keine Frage. Will man diesem Tenor aber irgendwie begegnen, ist es gar nicht so einfach, den richtigen Ton zu treffen: zu viele Miss-stände, Miss-klänge schwingen mit.
Wir werden nicht mehr den Ton angeben, so viel ist klar; jedenfalls bis auf weiteres nicht. Und das ist gut so. Denn es sollte uns, die wir uns Christen nennen, um die leiseren Töne gehen: Die nicht Anderen unsere Gewissheiten um die Ohren schlagen. In denen noch etwas zu ahnen ist von der „Stimme verschwebenden Schweigens“, wie Martin Buber die Gottesgegenwart einmal so unnachahmlich formuliert hat.
Wie gut täte es, wenn wir davon ein Lied singen könnten: von einem Gott, der Zerbrochenes heil macht, Geknicktes aufrichtet, und diese unsere Welt, so verwundet sie ist, dennoch liebend in Händen hält!

Autorin: Hildegard Schneider